Führung im falschen Setting Warum manche Leadership-Themen mehr Rahmen als Input brauchen Michael Harb Berater Contact Michael Viele Führungsthemen scheitern nicht am Inhalt, sondern daran, wo und wie wir sie bearbeiten Wir sprechen über Rolle, Verantwortung, Zusammenarbeit oder Entscheidungen unter Unsicherheit meist in Besprechungsräumen. Dort wird reflektiert, diskutiert, erklärt. Das ist sinnvoll, aber es hat Grenzen. Denn gerade diese Themen werden oft erst dann wirklich greifbar, wenn Menschen sie nicht nur besprechen, sondern erleben. Wer nach einer intensiven Woche draußen unterwegs ist, kennt den Effekt: Der Kopf wird ruhiger. Gedanken sortieren sich. Themen, die einen schon länger beschäftigen, werden klarer, Zusammenhänge werden sichtbar. Das ist kein Zufall: Die Forschung beschreibt diese Wirkung seit vielen Jahren. Die Attention Restoration Theory beschreibt, wie natürliche Umgebungen unsere mentale Regeneration fördern und helfen, geistige Ressourcen wieder aufzubauen. Eine Studie der Stanford University zeigte zudem, dass sich die kreative Leistungsfähigkeit beim Gehen um durchschnittlich rund 60 Prozent erhöht. Wer sich bewegt, denkt kreativer, erkennt neue Zusammenhänge und entwickelt leichter neue Lösungsansätze. Das erklärt nicht alles – macht aber verständlich, warum ein anderer Rahmen einen Unterschied machen kann. Entscheidend ist für mich vor allem, was sich in der Praxis zeigt: Manche Themen brauchen nicht zuerst mehr Input, sondern einen Kontext, in dem sie greifbar werden. Genau dort kippt oft der Unterschied zwischen Verstehen und Erleben. Draußen zeigt sich Führung sehr schnell in der Praxis. Schon bei einer gemeinsamen Route entstehen die relevanten Fragen: Wer gibt Orientierung? Wer übernimmt Verantwortung? Wer hört zu? Wer bindet andere ein? Wie werden Entscheidungen getroffen – und wie wird mit Unsicherheit umgegangen? Vieles, was im Seminarraum abstrakt bleibt, wird in solchen Situationen unmittelbar sichtbar. Modelle und Konzepte helfen dabei, Führung besser zu verstehen. Wirklich greifbar werden sie oft erst dann, wenn Menschen sie selbst erleben. In dem Moment, in dem eine Gruppe gemeinsam Entscheidungen trifft, Verantwortung übernimmt oder einen Weg zum Ziel findet, wird aus Theorie Erfahrung. Ich kenne diesen Fokus auch aus einer ganz anderen Situation: vom Paragleiten. Sobald ich am Startplatz stehe, richtet sich die Aufmerksamkeit auf das, was jetzt zählt – Wind, Wetter, Gelände, Entscheidung. Alles andere verliert an Bedeutung. Eine ähnliche Konzentration entsteht oft auch dann, wenn Menschen draußen unterwegs sind. Nicht, weil die Situation spektakulär ist, sondern weil vieles wegfällt, was im Alltag ständig mitläuft: Ablenkung, Taktung, parallele Themen. Gespräche werden klarer. Entscheidungen unmittelbarer. Beiträge greifbarer. Und genau in diesen Momenten wird sichtbar, was Führung im Alltag häufig überlagert. Aus genau solchen Erfahrungen ist ein Zugang entstanden, Leadership-Themen bewusst in einem anderen Rahmen zu bearbeiten. Gemeinsam mit Angela Gruber haben wir diesen Gedanken weiterentwickelt und in unterschiedliche Formate übersetzt, die sich rund um Leadership, Zusammenarbeit und persönliche Entwicklung bewegen. Im Kern geht es dabei immer um dieselbe Frage: Was verändert sich, wenn Führung nicht nur besprochen, sondern in einer konkreten Situation erlebt wird? Besonders spannend ist dabei der Austausch mit Menschen aus unterschiedlichen Branchen. Gerade in offenen Formaten entstehen oft Perspektiven, die im eigenen Umfeld so nicht entstehen würden. Für mich bleibt deshalb eine zentrale Einsicht: Bei manchen Führungsthemen ist nicht zuerst die Frage entscheidend, was wir vermitteln – sondern in welchem Rahmen Menschen es erleben. Eager to learn more? Get in touch