Ironie und Sarkasmus sind wunderbare Mittel, um Situationen aufzulockern, Spaß zu haben oder das Wir-Gefühl einer Gruppe zu stärken. Auf fast jedem lustigen Fest im privaten Kreis oder im Verein erleben wir ironische Sager oder sarkastische Wortwechsel als echte Stimmungs- und Energiebooster.

Aber warum kann gerade in beruflichen Meetings weniger mehr sein? Erfahrung und Studien zeigen, dass die erhoffte Wirkung in der Regel ausbleibt und Ironie oder Sarkasmus das schwächen, was in Meetings wirklich zählt: Klarheit vermitteln, Zusammenarbeit und Zusammenhalt stärken und den Fokus auf Ziele und Ergebnisse richten – damit alle Beteiligten ihre beste Leistung erbringen können.

Warum ist das so?  Ironie stichelt, Sarkasmus wertet ab

Ironie und Sarkasmus wirken in einer Gruppe positiv, wenn bereits hohe emotionale Sicherheit verbunden mit Nähe und Vertrautheit herrscht: Es geht uns gut miteinander, ich bin hier gut aufgehoben, wie sprechen offen. In diesem Setting kann ich Übertreibung (Ironie), Hohn und Spott (Sarkasmus) richtig einordnen, verstehen und passend reagieren.
In beruflichen Beziehungen sind diese Nähe, Vertrautheit und Sicherheit nicht immer gegeben. Unter diesen Voraussetzungen verstärken Ironie und Sarkasmus Irritationen, Unklarheit und Missverständnisse, belasten Beziehungen und vertiefen negative Kommunikation und Konflikte.

Eine Abgrenzung der beiden Stilmittel:

Wirkung Wortbedeutung (griech) Fokussiert auf
Ironie stichelt, übertreibt Verstellung, geheuchelte Unwissenheit Situation, Sache
Sarkasmus wertet ab, verletzt Zerfleischen, verhöhnen Menschen, Gruppen

Wie kann ich als Führungskraft am besten reagieren?

Um richtig reagieren zu können, muss ich Ironie und Sarkasmus besser verstehen.  Hinter Ironie und Sarkasmus stecken Gefühle wie Frust, Über- und Unterlegenheit, Sorge, Nervosität und Ärger, die sich auf diesem Weg ihren Weg bahnen. Als Führungskraft reiche ich eine unterstützende Hand, wenn ich anmerke und nachfrage, wie zB „Ich höre deine Ironie/ deinen Sarkasmus. Was bewegt dich so, dass du nicht Klartext sprichst“

Für Klarheit sorgen

Wenn im Großunternehmen über die Zentrale gelästert oder in der Behörde über die politischen Entscheidungsträger oder die Kolleg:innen einer Abteilungen gestichelt wird, dann steckt meist Ärger oder Frust dahinter. Hier ein konstruktiveres Ventil zu schaffen und bitten, die Themen klar anzusprechen hilft und stärkt die Führungsrolle. Mitarbeitende fühlen sich so besser wahrgenommen und ihnen ist mit mehr Klarheit geholfen.

„Ich möchte nicht, dass hier in diesem Ton gesprochen wird“

Bezieht sich Ironie oder Sarkasmus auf die eigenen Kolleg:innen, ist schon mehr Feuer am Dach. In der Situation ist es wichtig, freundlich und bestimmt für Respekt und Klarheit zu sorgen, zB mit dem Hinweis: „Ich möchte nicht, dass hier in diesem Ton gesprochen wird – sag bitte klar und respektvoll was dich stört oder was du möchtest“.  Mitarbeitende beobachten sehr genau, wie sehr sich ihre Führungskraft für einen geschützten Rahmen sicherstellt.

Takeaways über einen guten Umgang mit Ironie und Sarkasmus

  • Als Führungskraft Ironie sparsam und sehr bewusst einsetzen, z.B. um ein Team wachzurütteln.
  • Sarkasmus sollte für eine Führungskraft ein No-Go sein: es gibt weit bessere Möglichkeiten, Kritik oder Unzufriedenheit zu kommunizieren.
  • Im Team Ironie zulassen, solange die emotionale Sicherheit nicht darunter leidet.
  • Wenn Ironie oder Sarkasmus verstärkt auftreten, ist es meist ein guter Indikator, dass unausgesprochene Themen sichtbar werden wollen.
  • Insgesamt lieber im privaten Bereich nutzen und im beruflichen klar und direkt kommunizieren. Dann geht es ihren Mitarbeitenden anders als zB der Kollegin, die 2 Wochen wegen einer flapsigen Meldung der Chefin nicht geschlafen ist. Die Chefin selbst konnte sich an die Meldung gar nicht mehr erinnern.

Für alle, die es genauer wissen möchten: Was sind Ironie und Sarkasmus eigentlich und wie erkenne ich sie?

Ironie (griechisch: Verstellung, geheuchelte Unwissenheit) umfasst rhetorische Stilmittel, bei denen das Gegenteil von dem gesagt wird, was eigentlich gemeint ist: z.B. bei einem Beamer, der nicht funktioniert: „die Technik liebt uns heute wieder“.

Ironie arbeitet mit

  • starker Übertreibung: immer, nie, alle, Weltklasse
  • Tonlage & Betonung: übertrieben freundlich, langgezogene Buchstaben
  • Mimik: Augenrollen, grinsen
  • Gegenteil zur Situation: Heftiger Regen → „Hey, tolles Wetter für ein Picknick!“

Ironie bezieht sich im Unterschied zu Sarkasmus auf eine Sache oder Situation.

Sarkasmus (griechisch: Zerfleischen, verhöhnen) beschreibt Stilmittel, bei denen mittels spöttischer oder verletzender Bemerkungen Hohn oder Kritik vermittelt wird, z.B. „Fantastisch, die Techniker bei uns haben wieder ganze Arbeit geleistet!“ Sarkasmus wertet andere Menschen oder Gruppen ab.

Alle beide eint, dass sie viel mehr über das emotionale Befinden der Sprecher aussagen, als über die Situation selbst, zb “Ich finde die Situation gerade noch lustig, was läuft“ oder „mich nervt die Situation schon sehr und macht mich nervös“.